Deutscher zu sein mit ausländischer Herkunft bedeutet oftmals im Wesen
"deutsch" zu sein aber ausländisch auszusehen und sich mit den Vorurteilen
der "deutschen" Deutschen konfrontiert zu sehen. Alle 10 von mir
Portraitierten sind in Deutschland aufgewachsen und voll integriert, was
nicht nur das Leben leben beinhaltet, in einem Land fern der Heimat der
Vorväter, sondern auch das integrieren von "deutschem" Denken und Handeln
und vermeintlich "deutschen" Eigenschaften. "Deutsch sein" definiert sich
also vielmehr aus dem Wesen als aus der reinen Anatomie - und dennoch ist es oft nur diese, nach der Deutsche ausländischer Herkunft von ihren
Mitmenschen beurteilt werden - meist ganz automatisch und ohne bösen Willen.
Der Betrachter findet sich vor fotografisch neutralen Schwarz-Weiß-Portraits
wieder, die reduziert aufs Gesicht keinerlei Hinweise auf die ausländische
Herkunft geben - mit Ausnahme auf das "auslänische" Gesicht selber - und so
sieht sich mancher Betrachter hier vielleicht mit seinen eigenen Vorurteilen
und Einschätzungen konfrontiert. Gleichzeitig besteht für den Betrachter die
Möglichkeit sich über Kopfhörer die jeweilige "deutsche" Stimme zum
"ausländischen" Gesicht anzuhören, die etwas zur eigenen Person erzählt
sowie zu ihren Erfahrungen als deutscher Ausländer und ihrem individuellen
Umgang mit der eigenen deutschen Identität.