Meine Arbeit soll die Eingliederungsproblematik von Ausländern ansprechen. Denn jeder Mensch, der in ein fremdes Land mit ungewohnten Sitten und Bräuchen zieht, wird sich mit dieser Problematik konfrontiert sehen. Wer sich beispielsweise in Deutschland niederlassen möchte, muss einige Kompromisse eingehen und kann sein Leben nicht mehr in gewohnten Bahnen weiterführen. Wie geht z.B. ein Südländer damit um, dass er in seiner Wohnung nicht so lange laut sein kann, wie er will? Oder dass er sich für jedes Treffen mit Deutschen Freunden und Bekannten erst einmal telefonisch anmelden muss und nicht einfach so vorbei gehen sollte? Alle Länder haben eine andere Kultur und unterschiedliche Gewohnheiten. Deutschland unterscheidet sich von anderen Ländern u.a. darin, dass hier alles so strukturiert und geplant (unlocker) abläuft. Es ist eine Kunst, sich alle unausgesprochenen Regeln dieses Landes zu merken, damit man nicht unangenehm auffällt. Es ist also eine Kunst, ein Deutscher zu sein. Den Ausländer, der neu nach Deutschland einreist, würde es weiter bringen, wenn er eine Art Einleitung zum Deutschwerden bzw. Deutschsein hätte. Natürlich steckt hinter diesem Gedanken ein Fünkchen Ironie und trotzdem wäre damit vielen vorprogrammierten Missverständnissen vorgebeugt. Also habe ich mir vier Situationen ausgesucht, die von einem Ausländer „falsch“ angepackt werden und mit diesen ein Vorhehr-Nachhehr-Spiel inszeniert, wie er es besser machen kann. Dazu habe ich statt Menschen Marionetten gewählt, denn diese an Seilen befestigten Puppen bewegen sich nur so, wie es der Puppenspieler möchte. Auch Ausländer werden durch die vielen Hinweise auf ihr Fehlverhalten eingeschränkt und wie Marionetten zu einem „richtigen“ Verhalten bewegt. Die vier Situationen (Verbote) sind:
- kein Lärm nach 22:00 Uhr
- bei Begrüßungen nicht zu nahe kommen, lieber aus einer angemessenen Distanz die Hand geben
- kein Knoblauch essen, aber dafür Bier trinken
- den Müll trennen, nicht alles in einen Eimer werfen
Diese 8 Inszenierungen habe ich im Studio fotografiert.